Die Geschichte des deutschen Landsberg seit 1257 – 1945

Die heutige, zu Polen gehörende Stadt Gorzow (Wielkopolski) wurde im Jahre 1257 als Nova – Landsbergis, zu deutsch, Neu – Landsberg gegründet. Es liegt 129 km östlich von Berlin an der ehemaligen Reichstrasse 1, der einstigen Verbindungs- und Handelsstraße von Aachen bis Eydtkuhnen im ehem. Ostpreussen. Die ersten Siedler kamen aus Brandenburg, Niedersachsen und Westfalen. Da es in der Nähe von Berlin einen Ort Namens „Altlandsberg“ gibt, wurde auch die Vermutung geäußert, die ersten Siedler seien von dort gekommen (1).
Durch den Bau der Warthebrücken hatte Landsberg von Beginn an einen hohen verkehrlichen Stellenwert. Lag es ja nicht nur an der Handelsstraße gen Osten, sondern stellte auch die Verbindung von der Ostsee und Pommern nach Schlesien her.
In der Folgezeit kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Brandenburg und Polen, jedoch blieb die Stadt bis 1945 deutsch. Dabei blieb Landsberg mehrmals von Verwüstungen durch angreifende Hussiten (1433), sowie Polen und Litauer infolge seiner gut ausgebauten Stadtmauer, von der auch heute noch ein paar Reste zu sehen sind, verschont. Erst im Dreißigjährigen Krieg wurde Landsberg mehrfach durch Brandstiftungen zerstört (u.a. von den Schweden).
Bereits im 13. Jahrhundert wurde die älteste und bis heute erhaltene St. – Marien – Kirche errichtet. Sie besteht aus Backsteinen, wobei man sie im Laufe der Jahrhunderte beständig erweiterte. Dazu gehörte die Erhöhung der Außenmauern und Seitenschiffe in gotischer Zeit, sowie die Krönung des Turms durch einen Kuppelaufbau im Jahre 1621.
Nachdem im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) die Stadt fast vollkommen zerstört und die Bevölkerung stark dezimiert worden war, setzte ab 1763 für die Stadt und die Region ein starker Aufschwung ein. Auf Erlass des Preussischen Königs Friedrich den II. wurde das sog. „Warthe- und Netzebruch (das waren größtenteils sumpfige Überschwemmungsgebiete der Flüsse Warthe und Netze) urbar gemacht und besiedelt, außerdem wurde die Warthe durch den Bau von Kanälen mit Elbe und Weichsel verbunden.
In der Folgezeit wurden in Landsberg Kleinbetriebe und Fabriken gegründet, im Jahre 1825 schließlich die alte Handelsstrasse (ehem. Reichsstraße 1) zur befestigten Chaussee ausgebaut. Im Jahre 1857 kam dann noch die Eisenbahn hinzu, die sog. Ostbahn, die seit dem Jahre 1862 Berlin mit Königsberg verband. Bis zur Jahrhundertwende wurden weitere Eisenbahnstrecken in die Region gebaut, u. a. nach Soldin und nach Schwerin an der Warthe.
Somit waren die Vorraussetzungen geschaffen, Landsberg zu einer Industriestadt zu machen. Im Jahre 1904 eröffnete Max Bahr seine Jutespinnerei, Plan- und Sackfabrik, die sich vor dem II. Weltkrieg zu eine der größten ihrer Art entwickelte. Daneben beherbergte die Stadt Maschinen- und Holzverarbeitungs, Netz- und Kabelfabriken sowie Nährmittelfabriken und Brauereien. Im 20. Jahrhundert kam dann noch die IG Farbenindustrie AG hinzu.
Zum Teil noch heute vorhanden sind die wunderschönen Parkanlagen, die ab 1899 angelegt, Landsberg den Namen „Parkstadt des Ostens“ eintrugen – bis 1926 wurden insgesamt 4 Parkanlagen, z. T. recht ausgedehnt geschaffen.
In das Jahr 1899 fällt auch die Einrichtung der ersten elektrischen Straßenbahn, die bis in die 1920iger Jahre auf 3 Linien erweitert wurde.
Bis zum II. Weltkrieg erhielt die Stadt dann noch ein Theater und ein Schwimmbad, das sog. Volksschwimmbad in der Bergstraße. Vor Ausbruch des Krieges im September 1939 zählte Landsberg dann 49 000 Einwohner.
Obwohl an einer bedeutenden Eisenbahnstrecke, der Ostbahn gelegen, hatte Landsberg das Glück, von Kampfhandlungen und Bombenangriffen verschont worden zu sein. Der einzige "Kriegsverlust" soll ein Bauarbeiterklo gewesen sein, daß von einer einzelnen Bombe getroffen wurde. Ein Zeitzeuge berichtete davon in einer Ausgabe des Heimatblattes "Landsberg / Warthe Stadt und Land" , außerdem hat meine Großmutter immer diese Geschichte erzählt.Sie berichtete auch, daß immer, wenn Berlin bombardiert wurde, es in Landsberg Voralarm war.
War die Stadt bisher von Kriegshandlungen verschont geblieben, traf es sie nun um so härter. Anfang Januar 1945 war die Stadt bereits mit Flüchtlingen überfüllt. Wie auch anderenorts kam der sog. "Räumungsbefehl" viel zu spät, so daß viele Bewohner der Stadt und die vielen bereits aus dem Osten in den Tagen zuvor eingetroffenen Flüchtlinge letztlich keine Chance mehr hatten, der vorrückenden Roten Armee zu entkommen. Die letzten, mit Flüchtlingen überfüllten Züge verließen die Stadt in den Vormittagsstunden des 29. Januar 1945, ehe die Rote Armee in den Nachmittagsstunden desselben Tages die Stadt besetzte.(Einige Zeitzeugen nennen hier auch den 30. Januar 1945). Obwohl die Stadt kampflos der Roten Armee übergeben wurde, kam es in den folgenden Stunden und Tagen durch Brandstiftung zu einem Großbrand, dem fast die gesamte Altstadt zum Opfer fiel. Die Bevölkerung wurde, sofern sie nicht schon geflüchtet war, bis 1947 von den polnischen Behörden bis auf einzelne Ausnahmen ausgewiesen.
Somit endet mit jenem 30. Januar 1945 auch die Geschichte des deutschen Landsberg.

Quellenangaben: Internet, Wikipedia
                             Buch: Wege zueinander, erschienen im Westkreuz – Verlag
                                       Berlin / Bonn 1982

 

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