Gorzow – Landsberg heute

 

Wie schon erwähnt, war die Rote Armee am 30. Januar 1945 in die Stadt einmarschiert. Dieser Tag wird auch von polnischer Seite heute offiziell als der Tag gefeiert, an dem die Stadt polnisch wurde. Das Schicksal der Vertreibung teilen dabei sowohl Deutsche als auch Polen. Während die deutschen Bewohner Landsbergs bis 1947 zwangsausgesiedelt wurden, kamen die neuen polnischen Bewohner aus dem Lemberger und dem Posener Raum nach Gorzow. Da jedoch in den ersten Jahren keineswegs klar war, ob die „wiedergewonnenen“ Gebiete bis zur Oder und zur Neisse hin auf Dauer polnisch bleiben würden, begann der Wiederaufbau nur zögerlich. Erst gegen Mitte der 1950er Jahr begann man mit dem Wiederaufbau der zerstörten Altstadt in moderner Form. Dabei wurden auch neue Straßendurchbrüche geschaffen, die es vor dem Krieg nicht gab. Nur die Brückenvorstadt und die Bebauung um die Altstadt herum hatte den Großbrand unbeschadet oder zumindest einigermaßen unbeschadet überstanden.
In den folgenden Jahren entwickelte sich das nunmehrige Gorzow Wielkopolski wieder zu einem bedeutenden regionalen Mittelpunkt, mit wissenschaftlichen Forschungsstätten, einer Hoch- und Musikschule, sowie Museen und kulturellen Zentren. Bedeutung haben auch nach wie vor die Industrien diesseits und jenseits der Warthe. In den 1970iger Jahren schließlich wurde Gorzow  regionaler Regierungssitz der Wojewodschaft Lubuskie , was man am ehesten mit Bezirkshauptstadt beschreiben könnte und es kamen die Neubausiedlungen "Osiedle Piaski" und "Silwana" hinzu.

Die im Jahr 1943 schon offiziell stillgelegte Straßenbahn wurde von den Polen wieder in Betrieb gesetzt und nach und nach zweigleisig ausgebaut. Auch die genannten Neubaugebiete erhielten Anschluß an das Straßenbahnnetz, wogegen die Strecke in die Brückenvorstadt 1967 stillgelegt wurde.
Das nunmehr polnische Gorzow entwickelte sich bis in die 1980iger Jahre dann zu einer Großstadt, die heute (2007) ca 126 000 Einwohner zählt.

Im Jahr 2007 feiert Gorzow  nun sein 750 – jähriges Bestehen. Den Auftakt zu den zahlreichen Feierlichkeiten bildete am 30. Januar 2007 die Einweihung der Friedensglocke auf dem ehem. Musterplatz. Erfreulich ist, das trotz einiger scharf nationalistischer Töne, die zur Zeit aus Warschau kommen, dieses Ereignis gemeinsam mit ehemaligen deutschen Bewohnern, sowie mit der heutigen Bevölkerung, dieses Datum im Zeichen von Versöhnung und Verständigung begangen wurde. Man bekennt sich heute zu den deutschen Wurzeln dieser polnischen Stadt und zeigt von polnischer Seite auch reges Interesse an der deutschen Vergangenheit. Ein schönes und gutes Beispiel der Aussöhnung stellt sicher auch die Tatsache dar, dass beim Bau einer neuen Umgehungsstraße, die über das Gelände des ehem. Hauptfriedhofes führt und der seit Jahrzehnten als Park genutzt wird (Park Koperniki) die Gebeine der verbliebenen Toten nunmehr auf einen extra dafür geschaffenen Teil des Gorzower Kommunalfriedhofes umgebettet wurden, und man diese Stelle mit einem Gedenkstein in polnischer und deutscher Sprache versehen hat.

Wer heute durch die Stadt läuft, findet hier und da Gedenktafeln auch in deutscher Sprache. So erinnert auf der Rückseite des Paukschbrunnens wieder die Originaltafel an den Stifter des Brunnens, nämlich den Fabrikanten Pauksch, das Haus in der ehem. Heinersdorfer Straße 26, (heute ul. ? Gdanskych ) erhielt eine Gedenktafel auch in deutscher Sprache, die an den Landsberger Komponisten Carl Teike erinnert, der das Lied "ALte Kameraden" schrieb und der 1922 in Landsberg starb. Auch in Wepritz, das heute zu Landsberg eingemeindet ist, findet sich vor der dortigen Kirche ein Gedenkstein und eine Gedenktafel in deutscher und polnischer Schrift für einen bekannten Heimatdichter und Maler (den Namen und ein Bild werde ich demnächst hier einfügen).
Nunmehr beginnt man auch, die erhaltenen Häuser der Gründerzeit liebevoll zu restaurieren. Dabei fällt auf das man bemüht ist, vieles so wiederherzurichten, wie man es von alten Bildern her kennt. Auf die "Archtekturpanscherrei", einen willkürlichen Mix aus alt und neu, den man z. Zt. bei uns in Deutschland beobachten kann, gibt es hier erfreulicherweise bisher nicht. Aber sicherlich wird auch hier noch einige Zeit vergehen, bis alles wieder in neuem Glanz erstrahlt. Gerade die Häuser nördlich der Altstadt entlang der ehem. Hindenburgstraße haben eine Sanierung auch dringend nötig.
Im Jahr 2008 sollen dann auch die Grenzkontrollen wegfallen. Neben dem Neu- und Ausbau der Straßen drängt die Handelskammer Gorzow´s auf eine baldige Erneuerung der Eisenbahnverbindung nach Küstrin und darüber hinaus nach Berlin. Durchgehende Verbindungen dorthin werden seitens der polnischen Seite gewünscht. Hoffen wir, daß man also in ein paar Jahren wieder in angemessener Zeit von Berlin nach Landsberg fahren kann, schließlich benötigte der D-Zug im Jahre 1939 nur 1 1/2 Stunden bis Berlin!

 

Quellenangaben: Internet, Wikipedia
                             Buch: Wege zueinander, erschienen im Westkreuz – Verlag
                                       Berlin / Bonn 1982

                              Heimatblatt, Landsberg Stadt und Land, div. Ausgaben,
                              herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Landsberg (Warthe)
                              Erlebnisberichte von Verwandten (1945)

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